#Würzburg

Deutschlands erster offizieller Akt des Terrorismus im Verlauf der Flüchtlingskrise und im anlaufenden, weltweiten Kampf gegen den Terror. Am 18.07.2016 attackierte ein 17-jähriger Afghane mit Namen Riaz Khan Ahmadzai (oder Muhammad Riyadh laut dem IS) – mittlerweile vermuteter Pakistani – in einem Zug in Würzburg mehrere Menschen mit Axt und Messer. Vier Touristen aus Hongkong wurden im Zug selbst, eine lokale Anwohnerin auf der Flucht des Täters verletzt, ehe dieser gestellt werden konnte und von den ausführenden Beamten in Abwehrreaktion erschossen wurde. Kurze Zeit später konnten klare Bezüge zum radikalen Islam und zum Islamischen Staat hergestellt werden. Zwei der fünf Verletzten befinden sich nachwievor in Lebensgefahr. [1]

Kontrollen versagen

Es war nur eine Frage der Zeit bis eine Gewalttat mit islamischen Hintergrund Deutschland trifft. Daß erst Menschen leiden, womöglich sogar sterben müssen, bis daraus die nötigen Konsequenzen gezogen werden, ist bedauerlich und ein Armutszeugnis für alle Involvierten. Neben der rotierenden Diskussion über den Islam, Terrorismus und Sicherheit möchte ich aber in diesem Zusammenhang drei Dinge beleuchten, die mir wichtig erscheinen.

Aufgrund eines gefundenen pakistanischen Passes sowie einer Sprachanalyse eines vom Täter veröffentlichten Videos liegt die Vermutung nahe, daß der junge Mann im Bezug auf seine tatsächliche Herkunft gelogen hat. Zwar gibt es dafür bislang keine konkreten Beweise, da beide Hinweise sich durch die geografische und linguistische Nähe beider Länder im Grenzgebeit erklären lassen;  dennoch muss die Frage nach der Authentizität der Angaben gestellt werden. Da Pakistan als sicheres Herkunftsland gilt, sind die Chancen für Asylsuchende in einem europäischen Land unterzukommen bedeutend geringer, als im Falle des Kriegsgebietes Afghanistan.

Im selben Maße muss zudem das Alter des Betreffenden hinterfragt werden, da eine zutreffende Minderjährigkeit wiederum eine Rolle in der Asylaufnahme spielt und bislang schon weitere Fälle bekannt geworden sind, nach welchem hierin dreiste Lügen genutzt wurden, um sich entsprechende Vorteile zu verschaffen. In der Konsequenz muss also kritisch betrachtet werden, ob ein erteiltes Asyl überhaupt legitimiert ist. Wenn unter falschen Angaben oder mit gestohlenen oder gefälschten Dokumenten sich Zugang zu Land und Sozialeinkommen errungen wird, schadet dies letztlich nicht nur dem asylgebenden Land selbst; es erschafft berechtigte Vorurteile und Argwohn auch gegenüber jenen, die zurecht aus ihrem Land fliehen mussten und zurecht nach sicherem Asyl suchen.

Letztlich schadet es auch dem Akt des Asylgebens selbst, das in einem weitergedachten Szenario nicht mehr dazu dient, Schutzbedürftigen zu helfen, sondern zu einer bloßen Sozialabgabe verkommt, welche für all jene offen ist, die sich die nötigen (gefälschten) Dokumente leisten können oder die erforderliche Skrupellosigkeit besitzen. So ist es eben auch ein weiteres Argumentieren für eine akkurate und sorgfältige Kontrolle jener, die um Asyl bitten, und eines gegen unkontrollierte Einwanderung; in einem solchen Maße, das auch tatsächlich in bürokratischer und ausführender Weise zu meistern ist. Und nicht anders.

riaz-khan-ahmadzai

Der Staat imitiert Sisyphus – Integration

Der zweite Punkt der zweifellos eine tiefergehende und anhaltende Diskussion erfordert (und was mit diesem Beitrag definitiv nicht getan sein wird) ist die Integration – oder das offensichtliche Versagen einer solchen im Falle des Täters. Bekannt ist bislang, daß er am 30.06.2015 Deutschland erreicht hatte. Aufgrund seines angegebenen Alters erfuhr er besondere Aufmerksamkeit, beantragte am Ende desselben Jahres Asyl und erhielt am 31.03.2016 seine Aufenthaltsgenehmigung. Anfangs wird er in einer kirchenlichen Einrichtung untergebracht, später in einer Pflegefamilie, an einem überschaubaren, ländlichen Ort.

Lokale Einwohner beschreiben ihn mit positiven Attributen, er lernt die deutsche Sprache, spielt im lokalen Verein und beginnt ein Praktikum bei einer Bäckerei. Während dieser Zeit übt er weiterhin aktiv seine Religion als Sunnit aus. Von Heimweh und der Nachricht eines in Afghanistan getöteten Freundes scheint er sich in kürzester Zeit zu radikalisieren und übt seine Tat als Vergeltung gegen die Ungläubigen aus. Bei ihm zuhause wird ein Abschiedsbrief an seinen Vater gefunden, der klare religiöse Themen hat, von Rache und die Hoffnung auf den Himmel spricht. Weiterhin spricht er im Brief darüber, daß sich die Muslime der Welt verteidigen müssen und erwähnt auch deutsche Soldaten in Afghanistan. Zudem wird eine selbst gemalte Flagge des IS gefunden, welche sich die Verantwortung für diese Tat zuspricht.

Die Frage nach alledem lautet also: Wie sieht eine erfolgreiche Integration tatsächlich aus? Betrachtet man sich die Ziele des Integrationsgesetzes, das zuletzt hier schon besprochen wurde, scheint Riaz Khan Ahmadzai sie weitesgehend umgesetzt zu haben. Er befand sich in einer aufbauenden, positiven Umgebung, ohne direkte radikale Einflüsse, lernte die deutsche Sprache und übte erfolgreich ein Praktikum aus. Gemäß der Bundesregierung wäre er damit erfolgreich integriert – oder auf dem besten Weg dorthin. Bis er sich eines Tages entscheidet, mittels Waffengewalt das Leben mehrerer, völlig uninvolvierter Menschen zu gefährden und dabei willentlich auch sein eigenes Leben aufs Spiel zu setzen oder sogar bewusst zu beenden, respektive beenden zu lassen.

Die Schlußfolgerung, dass der sunnitische Islam der Grund für diese Handlungen war, könnte nicht näher liegen und könnte nicht schwerer zu übersehen und zu verneinen sein. Ob er von Beginn an mit der festen Absicht solch einer Tat nach Deutschland gekommen war oder erst ein bestimmtes Ereignis seine Radikalisierung hier angestoßen hat, spielt dabei letztlich nur eine geringe Rolle. Der alleinige Umstand, daß ein derartiger Gesinnungswandel in solch kurzer Zeit erreicht werden kann, identifiziert das ideologische Fundament klar und eindeutig: Der Glaube war der prägende, wenn nicht sogar einzige Grund für diese Tat und zugleich ihre Motivation. Wie also kann eine Integration als erfolgreich angesehen werden, wenn ein solcher Glaube alle Bemühungen und alle Fortschritte in einem scheinbaren Augenblick umdrehen und nichtig machen kann – und was kann man tun, um diese Gefahr zu erkennen, zu bekämpfen?

Das heuchlerische Echo

Der letzte Punkt auf der Tagesordnung sind die Reaktionen auf die Tat, sowohl aus dem politischen Lager wie auch der breiten Öffentlichkeit. Nachdem Renate Künast den Anfang gemacht hat und mit ihrer Twitter-Nachricht, in der sie die Notwendigkeit eines tödlichen Schusses von der Polizei infrage stellte, sehr drastische Reaktionen erntete, möchte ich eine kleine Auswahl weiterer Kommentare präsentieren und, wenn angebracht, selbst kommentieren.

Der Würzburger Bischof reagierte:

Wir müssen im Umgang mit denjenigen, die ohne Eltern zu uns kommen, vielleicht verstärkt sehen, wie wir sie begleiten können, wie wir sie integrieren und wie wir ihnen helfen, ihre eigenen Traumata zu überstehen. [2]

Nachdem das Wie durch das deutsche Integrationsgesetz eigentlich geklärt sein sollte und die Familie, die den angeblichen Flüchtling offenbar liebevoll aufgenommen hatte und auch sonst sehr aktiv in diesen Aspekten war, soweit man annehmen darf ihr Bestes versucht hat, um den jungen Mann zu helfen, sich zu integrieren muss man sich – oder besser den Bischof Hofmann – hier wohl fragen, wie genau dies aussehen soll. Nachdem er alle Hilfe und Unterstützung bekommen hat, die man unter diesen Umständen wohl aufbieten kann – wie viel mehr muss man tun, um einen einzelnen Menschen davon abzuhalten, sich und andere umzubringen?

Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann:

Das können wir nicht mehr so laufen lassen. [3]

Bezug auf seine Aussage nehmend, daß Einreisende, die ihre Identität und Herkunft nicht belegen könnten, an der Grenze aufgehalten werden sollten, damit selbiges geklärt werden könne. Er beklagte außerdem den anhaltenden Zustand von Unordnung und Ahnungslosigkeit der Behörden, daß sich nachwievor Tausende in unserem Land befinden, die unzureichend dokumentiert oder überhaupt nicht erfasst wurden.

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Sollte man sich nicht vielmehr fragen, wie man dem eigenen Volk erklären kann, wie derartige Taten vermieden werden können, statt in den Vordergrund zu stellen, welcher Schaden für die unbegleiteten afghanischen Jugendlichen daraus erwächst? Zumal es nicht die begleiteten pakistanischen Jugendlichen umschließt.

Lorenz Caffier, Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern:

Junge Flüchtlinge fallen immer wieder durch Gewalt und Straftaten auf, sorgen für Polizeieinsätze und Unsicherheit in der Bevölkerung [..] Extremistische Salafisten suchen sich diese jungen Menschen ohne gefestigtes soziales Umfeld oftmals gezielt, um sie für ihre Zwecke zu missionieren. [4]
Auch wenn noch nicht bekannt ist ob Riaz Khan Ahmadzai tatsächlich in direktem Kontakt mit Salafisten oder anderen radikalen Islamisten stand, sollte der Fall doch zumindest die Möglichkeit ins Gespräch bringen, daß viele Moslems sich mittels des Internets und sozialer Plattformen dort mit Leichtigkeit selbst radikalisieren können, der direkte Umgang mit Islamisten also überhaupt nicht notwendiger Faktor sein muss.
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Die Antifa in Deutschland war noch nie groß dafür bekannt war, einer argumentativen Logik zu folgen, die auch für Nicht-Mitglieder erkenntlich und nachvollziebar ist. Die Frage ist natürlich rhetorischer Natur, offenbar scheinen aber nur spezifische Gruppen und Organisationen aufgefordert, sie zu beantworten. Antworten hätte man wohl genug: Besondere Behandlung der Behörden, intensive Betreuung in Ochsenfurt, familiäres Leben und Fußballspielen in Ochsenfurt, Praktikum beim Bäcker, die islamische Gemeinschaft in Würzburg .. – eines davon wird es wohl sein.
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Die Kollektiv-Schuld als Vorwurf und Urteil. #NotAllGermans wäre wohl ein adäquates Gegenargument.
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Die systematische Verdrehung von Opfer und Täter ist ein Symptom, das schon seit längerer Zeit im Rahmen diverser Terrorakte Verbreitung findet. Natürlich kann man in einem jungen Menschen mit möglichen traumatischen Erfahrungen oder zumindest aber einem unharmonischen Lebensweg einfach ein Opfer erkennen und dies auch nachvollziehbar vertreten. Fragwürdig wird es dann, wenn das Leid des Täters, das seine Tat ausgelöst haben mag, das Leid der zumeist und in diesem Fall definitiv unschuldigen Opfer übertrifft, priorisiert wird. Die Manipulationsanfälligkeit anzuerkennen und die Konsequenzen zu unterschlagen, und dennoch die Mittel und Wege zu preisen und die Fortsetzung derer zu verlangen, die zu eben jener Situation geführt haben, zeugt von einer gefährlichen Störung, die gleichzeitig ein eklatantes Teilproblem der gesamten Thematik ist. In Hinblick auf die aktuellen Geschehnisse in München soll dies auch Thema bleiben.

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